DESIGN  PEOPLE  QUESTIONS
 
     
   
   
 

In den heutigen Zeiten als Freelancer gegen 52 kompetente Ex-Kommilitonen und einen vielfach größeren Pool an gnadenlos motivierten und ruinös günstigen Studenten ankämpfen, oder die besten Ideen in einer großen Agentur verbraten? Was bleibt sonst? Gesche Joost und Boris Bandyopadhyay im Gespräch mit Martina Grotensohn haben eine weitere Alternative für sich entdeckt: die Promotion.

 

Martina Grotensohn interviewt für ROGER: Die wenigsten Absolventen im Design entscheiden sich für eine Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit in Form einer Doktorarbeit. Wie kommt man auf die Idee, als Designerin oder Designer zu promovieren?

 

Gesche Joost: Ein umfassender Begriff von Design bedeutet für mich, dass man auch als praktizierender Designer die Theorie dazu mitdenkt und wahrnimmt. Das bereichert sowohl das praktische Tun als auch die Theorie selbst, da die gegenseitige Beeinflussung dieser parallelen Ebenen neue Ansätze eröffnet. Design wird zu einer Disziplin, die sich an den derzeitigen Lebensbedingungen orientiert und über die klassischen Fächergrenzen hinwegsetzt, weil sie integrativ und interdisziplinär agiert. Mit diesem Ansatz ist der Link zur Designtheorie gesetzt, und diese gilt es mitzugestalten – etwa im Rahmen einer Promotion. Das Thema meiner Dissertation, die visuelle Rhetorik, hat sich aus meinem Diplomthema bei Prof. Gui Bonsiepe entwickelt. Darin ging es um »Audio-visuelle Rhetorik« in Werbespots und um die Einwicklung eines Tools für die Filmanalyse. In diesem Ansatz, die klassische Rhetoriktheorie zur Analyse audio-visueller Medien anzuwenden, ist ein gutes Beispiel für die Verzahnung von Theorie und Praxis. Design-Produkte werden mit Methoden der etablierten Wissenschaften analysiert, so dass die Ergebnisse der Analyse für die Produktion wieder nutzbar gemacht werden können. Dabei wird die etablierte Theorie gleichzeitig erweitert. Die Designtheorie bringt somit ihre genuinen Einflüsse in die Theoriegestaltung ein und nutzt dabei gleichzeitig - quasi parasitär - bereits etablierte Konzepte und Wissensbestände.

 

Boris Bandyopadhyay: Im Diplom habe ich im Rahmen von qualitativer Designforschung bei Prof. Dr. Uta Brandes eine Produktfamilie in Form einer Biografie analysiert. Mit meiner Promotion knüpfe ich an diese Herangehensweise an. Die gewählte Perspektive soll aufdecken, welche geistigen Strukturen und kulturellen Verhaltensweisen des Menschen die Produktfamilien Automobil, Fernsehapparat, Personalcomputer und Mobiltelefon generieren. Ich will aktuelle Medien untersuchen und mich in die Diskussion um zukünftige Entwicklungen einmischen.[...]

 




 
 
 

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