DESIGN  PEOPLE  QUESTIONS
 
     
   
   
 

von Tim Marshall

Wenn ich aus meinem Fenster in diese äußerst dicht besiedelte urbane Umwelt schaue, erblicke ich einen eher schäbigen Baum. Es ist recht einfach, über diesen Baum in Kategorien naturwissenschaftlicher Felder wie Biologie, Physik oder Chemie nachzudenken.Außerdem würde sich der humanistische Diskurs anbieten, welcher die kulturellen, psychologischen und soziologischen Implikationen des Baums bezogen auf sein Dasein an sich definieren könnte,wonach wir ihn als kulturelles Erzeugnis der Ethnographie und der Anthropologie verstehen würden.Wie aber steht es um ein dem Design innewohnenden Wissen über diesen - in einer künstlich erschaffenen Umwelt befindlichen - Baum? Schließlich könnten wir ihn als Bestandteil einer gestalterischen Entscheidung im Städtebau sehen und diesen Prozess als Designfallstudie wiederherstellen. Aber kann die Designpraxis ein eigenes Verständnis des Baums in einer disziplinarischen Art und Weise vermitteln, ohne den Funktionsbereich einer anderen Wissenschaft zu betreten?

 

Aber warum sollte uns das überhaupt interessieren? Interdisziplinarität, Intradisziplinarität, Multidisziplinarität, Transdisziplinarität, Metadisziplinarität, Undisziplinarität, Antidisziplinarität - offenbar stoßen gerade jene Disziplinen, die den ständigen Versuch unternehmen, die Fundamente westlicher Epistemologie zu erneuern, zu erweitern, zu unterwandern und anzugreifen, auf Probleme. Design engagiert sich stillschweigend mit unklar definierten und unklar gestellten Problemzusammenhängen, welche par definitionem ungeeignet für disziplinäre Methoden und Untersuchungen sind. Disziplinen werden aber weitestgehend nicht dadurch definiert, was sie wissen, sondern wodurch sie wissen, was sie wissen - ihre Methodologie eben. Diese Herangehensweise ist derart fundamental im Gegensatz zum Allgemeinwissen, dass es schwer fällt sich vorzustellen, wie Kenntnisse überhaupt mit anderen Mitteln entstehen könnten. Die Probleme jedoch, deren Lösung der disziplinären Forschung am meisten Schwierigkeiten bereiten, sind genau jene, mit denen sich der Anwender konfrontiert sieht: nämlich den komplexen, unsicheren, instabilen und einzigartigen, oft widersprüchliche Wertsysteme involvierenden Situationen.[...]



Lesen Sie mehr in der Printausgabe!


 
 
 

 online-impressum |  über roger |  presse |  disclaimer |